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Paphiopedilum_schoseri Paphiopedilum schoseri
Abbildung aus der von Gustav Schoser initiierten Tafeledition zur Gattung Paphiopedilum

 

 
     

Der Verband Botanischer Gärten e.V. trauert um Prof. Dr. GUSTAV SCHOSER (1924-2012)

GUSTAV SCHOSER, der ehemalige Direktor des Palmengartens und Mitbegründer und für einige Jahre Geschäftsführer des Verbands Botanischer Gärten, ist am vergangenen Donnerstag, 5. Januar, im Alter von 87 Jahren gestorben.

GUSTAV SCHOSER wurde am 22. August im hohenzollernschen Trochtelfingen geboren. Nach dem Studium anfangs der Theologie und später der Biologie in Tübingen wurde er als Schüler des bekannten Physiologen und Begründers der Chronobiologie Prof. Dr. ERWIN BÜNNING dort zum Dr. rer. nat. promoviert. Hier begann er auch als wissenschaftlicher Leiter des altehrwürdigen Botanischen Gartens der Universität, der auf LEONHARD FUCHS zurückgeht, seine Gartenlaufbahn. In seine Amtszeit fiel der Umzug des Gartens aus dem Stadtzentrum an seinen heutigen Standort außerhalb der Stadt und die Neukonzeption einer modernen Gewächshausanlage für tropische Pflanzen.

Mit den daraus erworbenen Kenntnissen übernahm er 1968 als Direktor die Verantwortung für den Palmengarten der Stadt Frankfurt, den er bis zu seinem Ruhestand 1992 leitete und zu einem modernen Botanischen (Schau-)Garten umgestaltete. Wichtig war ihm, der sich von den Medien nicht ungern „Gärtner-Gustav“ nennen ließ, die von ihm so genannte „Öffentliche Botanik“: Damit meinte er Pflanzen und wissenschaftliche Forschung und Erkenntnisse an ihnen seien der Öffentlichkeit mitzuteilen und erfahr- und erlebbar zu machen. In diesem Sinn hat er den Weg der Botanischen Gärten vom abgeschlossenen „Hortus conclusus“ zu modernen, von Information und Aktionen geprägten Einrichtungen auf den Weg gebracht und diesen Paradigmenwechsel geprägt. So gründete er im Jahre 1980 einer der ersten „Grünen Schulen“ an einem Botanischen Garten. Seine besondere Vorliebe galt den Orchideen und hier der Gattung Paphiopedilum, wo er mit P. sukhakulii eine Art neu beschrieb und wo mit P. schoseri eine Art an ihn erinnert.
Sicherlich als einer der Höhepunkte seines Lebens als Gartenbotaniker hat er die Weltorchideenkonferenz 1975 empfunden, deren Ausrichtung er übernommen und während turbulente Tage mehreren hunderttausend Besuchern aus Frankfurt, der Region und aller Welt die Orchideen und „seinen Palmengarten“ näher gebracht hatte.

Folgerichtig war er als Gründungsmitglied an der Gründung unseres Verbands maßgeblich beteiligt und diente ihm für einige Jahre als Geschäftsführer.
Im Jahr seines achtzigsten Geburtstags haben wir ihn deshalb mit der Zander-Medaille geehrt. Für seine Verdienste um die Ausbildung junger Biologen – von denen der Verfasser dieser Zeilen in seiner Zeit beim Palmengarten persönlich auch profitieren durfte - wurde er nach einem langjährigen Lehrauftrag für tropische Botanik mit einer Ehrenprofessur der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz geehrt.



Gustav Schoser bei der Verleihung der Zander-Medaille 2004 im Palmenhaus des Palmengartens Frankfurt


Die Botanischen Gärten verdanken Gustav Schoser viele Ideen, Impulse und Engagement auf ihrem Weg ins 21. Jahrhundert. Dafür danken wir ihm von Herzen.


Stefan Schneckenburger
Präsident des Verbands Botanischer Gärten


 
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